Depression bewältigen - Tag 9

Mein zweiter Tag an dem ich aufschreiben soll, was ich wann gegessen habe. Ob es etwas bringt? Verschafft es mir wirklich einen Vorteil? Oder ist es eher nachteilig, wenn ich notiere was ich esse? Die Therapeuten sagen natürlich das es etwas bringt. Aber, ob es mir auch hilft? Nach knapp einer Woche werde ich es wissen. An die Körpertherapie vor dem Frühstück habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Und es macht mir auch Spaß. Ich liebe Tanzen. Depressiv fühle ich mich schon seit mindestens 9 Tagen nicht mehr. Laut meiner Betreuerin scheint dies jedoch völlig normal zu sein. Und natürlich kein Grund mich (früher) zu entlassen. Besonders nicht bei meiner Vorgeschichte. Heute hatte ich wieder Gruppen- sowie Einzeltherapie. Sich mit der Vergangenheit zu befassen ist gruselig. Irgendwie. Noch einmal alles durchleben zu müssen, zu schildern, was passiert ist fühlt sich manchmal einfach nur ekelig an. "Warum ich?" frage ich mich dann immer wieder. Warum muss/musste das ausgerechnet mir passieren? Und das alles, "nur" weil ich mich alleine fühle? Einsam? Im Stich gelassen? Den Auslöser zu kennen, warum ich depressiv geworden bin, fühlt sich irgendwie komisch an. Doch... endlich weiß ich es. Endlich habe ich Gewissheit. Einsam gefühlt habe ich mich bereits mit 2 Jahren. Ich weiß, unvorstellbar. Es ist aber so. Knapp 2 Jahre später, als ich 4 Jahre alt war, sagte ich immer Schwester..... Schwester. Wissend, das ich nie eine haben werde. Leider bin ich Einzelkind, was, wenn es nach mir ginge, nicht hätte sein müssen. Das ich bei der Geburt selbst fast gestorben wäre, konnte ich damals ja nicht wissen. Und auch nicht verstehen. Dennoch fühlte ich mich im Stich gelassen von meinen Eltern. Da sie mir den Wunsch einer Schwester nicht erfüllten. Als ich dies in der Gruppentherapie erzählte, schmerzte es wieder. Schien so als wenn ich es all die Jahre verdrängt hätte, den Schmerz. Mir kamen die Tränen. Plötzlich fühlte ich mich wieder alleine gelassen. Traurig. Einsam. Alleine. Und das obwohl 14 andere mit mir im Raum waren. Das es noch viel schlimmer werden würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal erahnen. Doch dies blogge ich Morgen. Spätestens Übermorgen am Donnerstag. Gerade fehlt mir nämlich die Kraft dazu, um weiterzuschreiben.

7.7.15 23:57, kommentieren

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Depression bewältigen - Tag 8

Die zweite Woche in der Klinik beginnt. Und langsam fange ich an Montage zu mögen, statt sie zu verabscheuen.
Los ging es mit der Körpertherapie mit anschließender Meditation. So wie jeden Morgen hier, vor dem Frühstück. Gefolgt vom Frühstück.

Es standen noch Gesangstherape sowie Kunsttherapie auf dem Programm. Und eine Stunde Ernährungstherapie direkt nach dem Mittagessen. Denn ab heute sollen ich täglich notieren, was ich wann gegessen habe.

Und auch mit dem Joggen hat es endlich wieder geklappt. Dabei war dies, aufgrund der hohen Temperaturen, bis auf Weiteres gestrichen worden. Dadurch, da es sich abgekühlt hatte, war es heute das ideale Laufwetter.

Körpertherapie und Meditation vor dem Frühstück. Dann Frühstück. Gesangstherapie von 10:30 bis 12 Uhr. Anschließend Joggen oder Therapiespaziergang. 13:15 bis 14 Uhr Mittagsuhe. Kaffetafel gegen 15 Uhr.
Kunsttherape gegen 16 Uhr. So sah mein heutiger Tag aus.

Vor und nach dem Abendessen saß ich draußen und arbeitete an meinen Unterlagen für mein Buch weiter.
Einerseits fühle ich mich als würde ich doppelte Arbeit machen, einmal für mein Buch und einmal in der Therapie. Aber die Arbeit an meinem Buch nennt sich Schreibtherapie. Manchmal tut es mir sehr gut, wie heute. Manchmal fühle ich mich mies dabei. Kommt auf meine Laune an. Und darauf wie ich mich fühle.

Wenn die Therapien beendet habe, hoffe ich, mein Buch fertig geschrieben zu haben. Wünscht mir Glück!

6.7.15 17:11, kommentieren